damals & heute
Die Mennoniten sind eine „evangelische Freikirche“. Sie sind aus der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts entstanden. In Zürich stellten 1525 eine Gruppe von früheren Mitarbeitern des Reformators Zwingli die Kindertaufe in Frage und begannen Erwachsene zu taufen. Nach Menno Simons, einem ehemaligen katholischen Priester aus Friesland, der 1536 zu den Täufern stieß, wurden sie später „Mennoniten“ genannt.
Im Unterschied zu anderen Reformatoren wollten die Täufer eine vom Staat unabhängige Kirche. Die Taufe sahen sie als Zeichen des Bundes zwischen Gott und Mensch und als freie Entscheidung. Darum lehnten sie die Säuglingstaufe ab. In allen Fragen des Glaubens und Lebens orientierten sie sich am Modell der neutestamentlichen Gemeinde. Dafür nahmen sie Verfolgung und Leiden in Kauf. Sie wollten sich nicht an staatlicher Gewalt (Kriegsdienst, Todesstrafe) beteiligen, stattdessen als Gemeinde ein Zeugnis des Friedens und der Gerechtigkeit sein. Darum werden die Mennoniten auch als „historische Friedenskirche“ bezeichnet.
Augsburg war in der Reformationszeit eine „Hauptstadt“ der Täufer. Ab 1526 soll es bis zu 1.000 „Gartengeschwister“ gegeben haben. So wurden sie genannt, weil sie sich im Sommer in Gärten versammelten. Im Winter kamen sie als verfolgte Untergrundkirche in Privathäusern zusammen. Sie standen auf seiten der armen oder besitzlosen Mehrheit der Bevölkerung und gerieten so in Opposition zu den oligarchischen Netzwerken der Fugger, Welser etc.
Zunächst diskriminiert, dann verfolgt wurden sie ab 1528 aus der Stadt vertrieben. Prediger und Vorsteher Hans Leupold wurde 1528 hingerichtet. Anderen wurde mit Brandeisen ein Kreuz in die Backe gebrannt. Elisabeth Heggenmiller wurde die Zunge herausgeschnitten.
Ab 1544 versammelten Pilgram und Anna Marpeck noch einmal für zwölf Jahre eine täuferische Gemeinde. Als Wasserbauingenieur war Pilgram der Stadt von Nutzen und so wurde die dissidentische Gemeinde geduldet. Sie wird zum Anziehungspunkt für auswärtige Täuferinnen, etwa die aus Tirol vertriebene Helena von Freiberg. Mit dem Tod Pilgrams 1556 verläuft sich die täuferische Präsenz in der freien Reichstadt.
Seit 1926 versammelt sich die heutige Mennonitengemeinde in Augsburg. Sie bestand zunächst vor allem aus Bauernfamilien, die aus der Pfalz und Baden in die Region gekommen waren und auf Höfen im Umland lebten. Heute sind wir eine bunte Gemeinde aus Augsburgern und Auswärtigen, Frauen und Männern, Alten und Jungen. Gäste sind herzlich willkommen.